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James Salter " Ein Spiel und ein Zeitvertreib"

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33 Jahre lang hatte er kein Buch veröffentlicht. Im Herbst 2013 erschien dann sein Roman "Alles was ist". Der Verlag behauptet zwar, dieser sei lange erwartet worden. Die Wahrheit ist aber wohl: James Salter stand immer im Schatten anderer erfolgreicher amerikanischer Autoren, wie Philipp Roth oder John Irving. Er hatte auch nicht den gleichen Erfolg bei den Lesern. Gleichwohl galt er gerade den oben genannten Schriftstellern als ein Meister des Wortes. In Deutschland ist er sogar erst 1998 erstmalig entdeckt worden. "Ein Spiel und ein Zeitvertreib" liegt sicher wegen des großen Herbsterfolges seines Alterswerkes (Er zählt inzwischen 88 Jahre.) auf dem Büchertisch. Zu wünschen ist dem Roman eine große Leserschaft. Worum geht es? Nun, zum einen liest man die Geschichte des Erzählers, der Mitte der 1960er Jahre in Frankreich weilt. Er ist Fotograf und reist durch das Land. Dabei fotografiert er die französische Lebensart, in die er sich, wie Salter selbst, ein ...

Game of Thrones: Winter is coming

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Es ist natürlich essentiell und gar nicht anders denkbar. Ein Fan von Fantasy MUSS "Game of Thrones" sehen. Wenn man sich durch die bislang erschienen 10 Bücher gelesen hat und beseelt auf den nächsten Band wartet, bietet die HBO-Serie eine prima Überbrückung. All die Charaktere, die man sich gerade noch selbst ausgemalt hat, erwachen visuell zu neuem  Leben. Nun kann das ja durchaus eine echte Enttäuschung sein. Ist es hier aber gar nicht. Im Gegenteil. Irgendwie sah Ned Stark in meiner Phantasie sowieso schon immer genau so aus wie Sean Bean. Mit Rob, Bran und den Wölfen ist es nicht anders. Tyrion, Daenerys, Jaime... ach... bis in die Nebenrollen sehen wir wunderbare Schaupieler, die ihre Rollen ausfüllen. Hinzu kommt die wunderbare Ausstattung. Alle Sets sind auf Kino-Niveau, nie hat man das Gefühl in einer TV-Serie zu sein. Natürlich sind die Geschichten viel zu umfangreich für einen Kinofilm. Selbst in der jeweiligen Staffel können nicht alle Handlungsstränge (und es si...

Jan Korte " Geh doch rüber!"

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Erstaunlicher Weise gibt es in meinem Umfeld eine Reihe von Menschen, die sich Bücher schreibend verewigen. Das Wirken reicht vom politischen Sachbuch, Beobachtungen und Reportagen hin zum Roman. Grund genug an dieser Stelle ein paar von diesen Büchern vorzustellen. Den Anfang macht Jan Korte  mit seinen feinsten Beobachtungen aus Ost und West "Geh doch rüber!". Was für ein Lesespaß. Mit der ersten Seite entfaltet sich ein Schmunzeln auf dem Gesicht. Das bleibt bis zur letzten Seite erhalten, zwischendurch wird auch mal ein herzhaftes Lachen daraus. Jan Korte spielt in der Bundesliga der deutschen Politik mit, ist seit 2005 Mitglied des Bundestages. Bis dahin hat er sich in den Niederungen der Parteipolitik herumgetrieben, demonstriert, argumentiert, gepöbelt und ernsthaft gekämpft. Er ist sich auch heute nicht zu Schade in Bitterfeld und Wolfen, Köthen und Staßfurt für "Schlüpper" zu streiten. Genau darüber berichtet er in seinem leider viel zu dünnen Büc...

Judith Schalansky "Der Hals der Giraffe"

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Ich liebe Bücher. Vor allem wenn sie auch noch so liebevolle Gewänder haben, wie die von Judith Schalansky. Dem neuen Roman hat sie ein graues, fast grobes Leinengewand verpasst. Es gibt keinen Schutzumschlag aber eine Prägung. Auf dem Buchdeckel ist eine Giraffe zu sehen. Und so heißt das Buch dann auch „Der Hals der Giraffe“ Die Hauptfigur des Romans Inge Lohmark ist ein spröder Charakter, spröder und grauer noch als der Einband. So scheint es zumindest am Beginn. Schalansky hat in einem Interview zu ihrer Figur gesagt, Lohmark sei ein Mensch, der sehr streng ist, im Verlaufe des Buches sei sie aber bespürbar und fühlt selbst. Ich habe das beim Lesen genau so empfunden. Die Biologielehrerin lebt in der ostdeutschen Provinz, genauer in der Nähe von Demmin. Die Naturwissenschaften prägen ihr gesamtes Denken und geben ihr mit ihren Systematiken und klaren Strukturen Halt. Halt in einer Welt, die mit der Wende aus den Fugen geraten ist. Sie sind der einzige Anker. Ihre Familie ist, ...

Cord Riechelmann "Krähen"

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  Kr ä hen, Raben, Elstern. Sie geh ö ren fast ebenso zum Stadtbild wie Tauben. Aber irgendwie waren mir vor allem die gro ß en, schwarzen Raben immer unheimlich. Wahrscheinlich hatten sich die Bilder aus Hitchcocks Film "Die V ö gel" in meinem Ged ä chtnis eingepr ä gt. Auf dem Hof und in den B ä umen unserer Wilhelmsruher Wohnung hatte ich Gelegenheit diesen Tieren ein wenig zuzuschauen. Seit dem hat sich mein Blick auf den Raben oder die Kr ä he sehr ver ä ndert. Der Biologe und Philosoph Cord Riechelmann hilft nun mit seinem Buch "Kr ä hen" auch popul ä rwissenschaftlich nach. Es ist ein unterhaltsames und interessantes B ü chlein geworden. Man erf ä hrt so einiges ü ber die Natur- und Kulturgeschichte dieser klugen und ä u ß erst gewitzten V ö gel.   Neben genauen Beobachtungen des Tierverhaltens finden sich spannende Verweise und Berichte ü ber Mythen und Geschichten der Raben auf der ganzen Welt. Schon erstaunlich, dass die einen die V ö ge...

John Jeremiah Sullivan "Pulphead Vom Ende Amerikas"

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Ich bin so leicht zu begeistern. Gerade habe ich mich noch euphorisch über Florian Illies "1913" gefreut und schon kommt das nächste geniale Buch daher. John Jeremiah Sullivans "Pulphead". "Pulphead" ist kein Roman (ist 1913 auch nicht) aber auch kein richtiges Sachbuch (dito). Vielmehr ist es eine Sammlung von Sullivans Essays und Reportagen. Er schreibt über den Zustand der USA, über das politische System, über Kultur und Religion, über Bildung und über die Menschen, die ihm begegnet sind. Das Time Magazine schreibt: "David Foster Wallace und Hunter S.Thompson sind tot, Tom Wolfe ist so gut wie in Rente - es gibt also nicht mehr viele Autoren, die genügend Mumm und Grips haben, um es mit unserer Kultur aufzunehmen. Die sich nicht von dem ganzen Schwachsinn einschüchtern lassen. Sullivan ist einer von ihnen." Prima Zusammenfassung. Mit großer Begeisterung, mit Freude an dem geschriebenen Wort habe ich das Buch verschlungen (eigentlich hat...

Alan Bennett "Cosí fan tutte"

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Köstlich, köstlich, köstlich.  "Cosi fan tutte" beschert einem ein gutes Stündchen britischen Humor. Es ist nur ein kleines Bändchen und schnell ausgelesen. Zwischen den Buchdeckeln erwacht die amüsante Geschichte eine biederen, englischen Ehepaars zum Leben, dem sein gesamtes Hab und Gut aus 32 Ehejahren abhanden kommt (sogar das Haarfärbemittel mit dem sich der Gatte heimlich den Bart färbt und die ollen Pornos, die hinter einem dicken Wälzer versteckt waren). Während er vom Geld der Versicherung versucht, die alte Ordnung wieder herzustellen, angereichert nur durch eine neue Musikanlage, nutzt sie die Gelegenheit und entrümpelt ihr Leben. Natürlich ganz britisch! Das ist so entlarvend und witzig.  Wie sieht es eigentlich in meinem Leben aus? Ich mach mich mal auf die Suche...
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Haruki Murakami "1Q84"     Manchmal muss man Autoren eine zweite Chance geben. Vor ein paar Jahren hatte ich mich schon einmal an Murakami herangewagt, es war eher eine Qual als ein Vergnügen. Über viele Jahre habe ich ihn dann einfach links liegen gelassen. Auch die euphorischen Besprechungen seines Romans "1Q84" konnten mich dazu bewegen, ihn wieder zu lesen. Da brauchte es schon die Empfehlung einer guten Freundin, Leseratte wie ich und mit einem ähnlichen Literaturgeschmack ausgestattet. Wir reden immer mal über Bücher, die uns gefallen haben. So kam ich also zu meinem neuerlichen Versuch und Murakami zu seiner zweiten Chance. Zum Glück habe ich auf meine Freundin gehört, denn mit "1Q84" hat Murakami ein Meisterwerk abgeliefert. Er befördert den Leser in das Jahr 1984. Die Stadt: Tokio. Plötzlich aus heiterem Himmel gibt es einen zweiten Mond. Er ist das äußere Zeichen, dass in dieser Stadt zu dieser Zeit irgendetwas anders ist. Es entspinnt sich...

Orson Scott Card "Das große Spiel" (Ender´s Game)

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Nach einige guten und zuletzt eher mittelmäßigen Büchern der TOP 100 Science Fiction und Fantasy-Literatur habe ich in knapp 1 1/2 Tagen ein ganz und gar großartiges Buch gelesen, den Roman "Ender´s Game" von Orson Scott Card. Bereits 1977 hatte Card eine Geschichte mit gleichem Titel verfasst, die er später noch überarbeitete und für die er 1985 mit mehreren Preisen versehen wurde. Es geht um die Geschichte eines Jungen (Ender Wiggins) der hochbegabt ist, weil er in einem langjährigen Genprojekt quasi gezüchtet wurde. Auf Grund seiner Eigenschaften wird er schon im Alter von 6 Jahren auf eine Art Militärschule geholt. Vorher wurde er lange Zeit über einen Monitor beobachtet. Die Militärs suchen nach einem Strategen, der die Erde gegen die "Krabbler" einer insektenartigen Alienspezies verteidigt. Und so setzt sich das Züchtungsprogramm unbarmherzig fort. Das Buch ist brutal, das Buch ist pervers, das Buch ist großartig. Für mich ein einziges Pamphlet gegen d...
David Cronenberg "A History of Violence" Es gibt ein paar Regisseure, deren Filme schaue ich auf jeden Fall. Steven Soderbergh, die Coen-Brüder, David Fincher, Christopher Nolan, Buz Luhrmann, Joss Whedon und eben David Cronenberg. Was für geniale Kinoerlebnisse mir Cronenberg schon gebracht hat: Naked Lunch, Crash, eXistenZ, Eastern Promises. Immer irgendwie unheimlich, geradezu ekelig. Immer inhaltlich, stilistisch und optisch eine Herausforderung. Nach dem Kinoerlebnis muss der Kopf einfach weiterarbeiten.Wohlfühlen verboten. So auch bei "A History of Violence". Basierend auf einer Grafic Novel erzählt Cronenberg die Geschichte von Tom Stall. Der lebt in einem kleinen Kaff in Amerika. Arbeitet in einem Diner und erfreut sich an seiner dörflichen Gemeinschaft, seinen Kindern und seiner Frau. Beide lieben sich heiß und innig (sehr schön die Oralsexszene). Das ist so nett anzusehen, pure Idylle. Man weiß bei all dem schon, das kann so nicht bleiben. Er rettet beh...

Alan Bennett "Die souveräne Leserin"

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  Nicht die erste Buchempfehlung von Denis Scheck, die ich aufgegriffen habe (allen, die gern Bücher lesen, sei sein Podcast "Druckfrisch" empfohlen). Er behauptet, wenn er ein Buch zum Lesen empfiehlt, zu wissen was er tut. Recht hat der Mann, bislang bin ich noch nicht reingefallen. "Die souveräne Leserin" ist ein entzückendes Buch, sehr britisch, voller Humor und mit vielen Empfehlungen für neue Bücher. Auf dem Cover schaut uns eine verschmitzte Queen an und so ist auch die kleine Geschichte. Sie wird uns geradezu sympathisch, die alte Dame. Am Liebsten will man sich mit ihr in die Bibliothek zurückziehen und über Bücher schwatzen. Für Bücherwürmer!

West Wing - Die Tatort-Alternative

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Die Liebichs haben eine neue Sonntagabendbeschäftigung. Wir schauen „West Wing“. Wir lieben die Serie, weil wir endlich verstehen, wie das politische System in den USA funktioniert. Wir lieben die schnellen Dialoge und die langen Kamerafahrten bei denen von einem Erzählstrang zum nächsten übergeschwenkt wird. Wir lieben die Personen, weil sie kaltschnäutzig, professionell und warmherzig und sorgsam füreinander da sind. Wir lieben die Serie weil wir leidenschaftliche Politiker in Aktion sehen, die um ihre Ideale kämpfen, ob im Großen oder im Kleinen. Wir fiebern mit ihnen und können gut nachvollziehen, wie man sich freuen kann, wenn eine Rede gut geworden ist, wenn ein Tagesordnungspunkt durchgesetzt wurde und auch wenn wie Welt mal wieder gerettet wird. Andere Gründe, warum man die Serie noch unbedingt schauen sollte, erklären die Flimmerfreunde Bernd Begemann, Ben Schadow und Kai Otto. Und zwar hier:  Flimmerfreunde

Paul Murray "Skippy stirbt Hopeland-Heartland-Ghostland"

Bereits auf den ersten Seiten passiert es. Skippy stirbt. Seine letzten Atemzüge widmet er einem Mädchen. Wie tragisch und wie romantisch. Auf den folgenden 700 Seiten erfährt der Leser wer das Mädchen ist, wieso Skippy so sehr verliebt ist und warum so abgrundtief traurig und verstört. Verstörung ist überhaupt ein gro ßes Thema in dem Buch. Irgendwie sind viele Figuren ent-/verrückt, passen nicht in die Schablonen in die sie das College, der Job, die Familie sie pressen will. Einige versuchen aufzubegehren, manche versinken im Drogenrausch, andere probieren Sex aus. Auch Fantasiewelten von Büchern und Computerspielen scheinen eine prima Alternative zu sein. Doch es nützt nicht, am Ende ist Skippy tot und nichts und niemand kann ihn wieder zurück holen, Fehler ungeschehen machen. Paul Murray haucht seinen Figuren und seiner Geschichte Leben ein (tja, das ist ein Weg Skippy wieder lebendig zu machen). Die Figuren bekommen Tiefe und die Gespräche so albern sie auch sein mö...