Mittwoch, 8. August 2012

Yassin Musharbash, Radikal


Yassin Musharbash, Radikal


Ich hatte Radio 1eingeschaltet,  mitten in der Woche an einem Nachmittag. Normalerweise höre ich gar nicht richtig zu, maximal fällt mir mal ein guter Song auf. An diesem Tag aber blieben meine Ohren „hängen“. Zu Gast war der Autor des Buches „Radikal“, Yassin Musharbash. Ich war begeistert und so kam es, dass ich einen Krimi gelesen habe...

Krimis lese ich überhaupt ja nur ausnahmsweise. Dieser hier hat dann auch alles, was ich für Lesevergnügen brauche. Es geht um Politik. Um sehr aktuelle Politik in Deutschland. Und es gibt eine gute Finte in der Finte. Kein Schwarz-Weiß und auch keinen Gärtner.

Endlich wird ein Vorzeigemuslim in den Bundestag gewählt.  Diese Umgebung wählt der Autor mit Bedacht, er kennt sich aus im politischen Geschäft, hat selbst als Mitarbeiter bei den Grünen gearbeitet. Der Bundestagsabgeordnete Lutfi Latif hat viel vor, will die deutsche Islamdebatte neu befeuern. Dabei gerät er ins Fadenkreuz von Radikalen. Während einer Fernsehaufnahme wird er ermordet. Das Terrornetzwerk al-Qaida bekennt sich zu dem Anschlag. Klingt erst mal so, als könnte das morgen bei uns in Deutschland tatsächlich passieren. Aber kann es nicht auch anders gewesen sein, gibt es nicht auch Radikale auf der anderen Seite, die gar kein Interesse daran haben, dass der Islam in Deutschland seinen Platz hat? Ob und wie es sich tatsächlich verhält, dazu ermittelt der Terrorexperte Samuel Sonntag. Wie der Autor selber treibt dieser sich in den web-Netzwerken von Islamisten herum. Musharbash überzeugt auch hier durch seine glaubhafte Schilderung. Nebenbei arbeitet er sich an der Sarrazin-Debatte ebenso ab, wie an Klischees über den Islam in Deutschland und die Radikalisierungstendenzen auf beiden Seiten. Ganz nebenbei berichtet er auch noch aus dem Alltag einer großen, glänzenden Wochenzeitschrift. Man schüttelt sich immer mal wieder und denkt,  die ein oder andere Person oder Geschichte der jüngsten Vergangenheit wieder zu entdecken.

Das alles ist politischer Diskurs vom Allerfeinsten. Die Geschichte verliert an keiner Stelle ihre Glaubwürdigkeit und Schnelligkeit.

Hoffentlich ist das nicht das letzte Buch von Yassin Musharbash.

Und so sehen das die Profis: http://www.perlentaucher.de/autor/yassin-musharbash.html