Sonntag, 5. Januar 2014

James Salter " Ein Spiel und ein Zeitvertreib"


33 Jahre lang hatte er kein Buch veröffentlicht. Im Herbst 2013 erschien dann sein Roman "Alles was ist". Der Verlag behauptet zwar, dieser sei lange erwartet worden. Die Wahrheit ist aber wohl: James Salter stand immer im Schatten anderer erfolgreicher amerikanischer Autoren, wie Philipp Roth oder John Irving. Er hatte auch nicht den gleichen Erfolg bei den Lesern. Gleichwohl galt er gerade den oben genannten Schriftstellern als ein Meister des Wortes. In Deutschland ist er sogar erst 1998 erstmalig entdeckt worden.

"Ein Spiel und ein Zeitvertreib" liegt sicher wegen des großen Herbsterfolges seines Alterswerkes (Er zählt inzwischen 88 Jahre.) auf dem Büchertisch. Zu wünschen ist dem Roman eine große Leserschaft.

Worum geht es? Nun, zum einen liest man die Geschichte des Erzählers, der Mitte der 1960er Jahre in Frankreich weilt. Er ist Fotograf und reist durch das Land. Dabei fotografiert er die französische Lebensart, in die er sich, wie Salter selbst, ein wenig verliebt hat. Auf einer seiner Reisen trifft er Phillip, mit dem er sich schnell befreundet. Er ist fasziniert von dessen Versuchen, ein Leben jenseits der gängigen Konventionen zu führen. Vor allem beobachtet er mit Neugier und Eifersucht die Beziehung zur jungen Anne-Marie.

Zum anderen kann man sich von den gelungenen Beschreibungen Salters begeistern lassen. Egal ob es die Schilderung des erwachenden Dezembermorgens in einer französischen Kleinstadt ist, der Ausflug des Pariser Jet-Sets in eine Jazz-Bar oder die vergebliche Sehnsucht des Erzählers nach seiner Nachbarin Claude. Salter ist ein Erzählgenie. Worte werden hier wie Perlen zu Sätzen aneinander gereiht. Purer Genuss! Wenn man über Salter liest, steht oft, er sei ein Meister des kinematographischen Erzählens. Ich weiß zwar nicht genau, was damit gemeint ist, aber es hört sich richtig an. Mit einer Leichtigkeit schreibt er über Dinge, die sind. Er findet Sätze, bei denen man denkt: "Ja, genau so fühlt sich das an."

Beim Erscheinen von "A Sport and a Pastime" im Jahr 1967 hatte Salter sich gerade von seiner Militärlaufbahn verabschiedet. Um Geld zu verdienen, schrieb er Drehbücher in Hollywood. Vielleicht kommt daher seine Gabe, Ereignisse, Personen, Orte so bildhaft zu schildern.  Großes Aufsehen erregte das Buch vor allem durch die ebenfalls sehr kinematographisch geschilderte Liebesbeziehung zwischen Philip und Anne-Marie. Die Leser reagierten teilweise schockiert auf den Roman. Salter selbst glaubt, dass seine Leser nicht vor der Geschichte einer Leidenschaft zurückgeschreckt sind, sondern weil sein Blick auf die Figuren "zu direkt und offenbar allzu voyeristisch" war.

2013 schreckt dieses Buch sicher niemanden mehr. Im Gegenteil, mit bewundernswerter Klarheit schildert er nicht nur die Beziehung der beiden und deren Scheitern, sondern auch die Sicht des Erzählers auf das Liebespaar. Dieser muss sich dabei seinen verborgene Sehnsüchten, Verklemmungen und nicht eingestandenen Leidenschaften, die er erst durch die beiden zu Tage fördern kann, stellen.

Fazit: Ein MUSS für alle die Frankreich mögen, denn die Schilderungen der französischen Städte und Dörfer in den 1960er Jahren macht neugierig. Man will da einfach mal vorbei fahren. Ein MUSS auch für alle, die sich an gelungenen Sätzen erfreuen können. Einfach nur so.

Wer mehr über James Salter lesen möchte und was er selber zu seinem Werk sagt, kann das hier tun:
Salter bei "Perlentaucher"
Salter in der "Welt"
Salter in der "Zeit"