Montag, 13. Mai 2013

James Frey "Das letzte Testament der Heiligen Schrift"

Diese Buch ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert.  Erwirbt man die Printausgabe im Buchhandel bekommt man gleich den Zugangscode für das E-Book dazu. Mir hat das gefallen. Bin ich zu Hause bevorzuge ich die papierne Variante. Unterwegs allerdings ist die elektronische Version einfach praktischer. In meiner Handtasche, vom Liebsten eh gern als Mary-Poppins-Tasche bezeichnet, gibt es schnell Eselsohren oder Schlieren. Nicht schön.

Auf Seite 7 gibt es die nächste Überraschung. Die deutsche Übersetzung stammt nicht von einem Autor sondern gleich von 13 Schriftstellern. So unterschiedliche Stimmen, wie die von Juli Zeh, Harry Rowohlt, Gerd Haffmans, Alexa Henning von Lange, Tina Uebel oder Clemens J.Setz finden sich darunter.

James Frey hat jedem Kapitel im Buch eine Person zugeordnet. Jede von ihnen erzählt eine Episode aus dem Leben der Hauptperson Ben. Was im Orginal James Frey allein meistern musste, jedem Abschnitt einen eigenen Ton zu geben, übernehmen in der Übersetzung die 13 deutschen Autoren. Das funktioniert.

Weniger funktioniert für mich die Geschichte. Wir befinden uns im New York unserer Zeit, und zwar nicht in dem von Nick McDonnells Elite, sondern in dem der Penner und Junkies, der Huren und Obdachlosen. Ben lebt unter ihnen. Aus den Berichten der 13 Zeugen erfahren wir, was ihm passiert ist, was er getan hat. Darunter sind, wie es sich für einen richtigen Messias gehört ziemlich unglaubliche Sachen, so überlebt er einen schweren Unfall, heilt selber Menschen. Er gibt Liebe und nimmt sich welche. Er redet gegen die Kirche und wird dafür verachtet.

Eigentlich nicht uninteressant und am Anfang nimmt mich Frey auf seine erbarmungslose Reise durch das New York der Armen auch noch mit. Er schildert glaubhaft. Dabei kommt es mir, im Gegensatz zu manchem Kritiker auch nicht darauf an, ob er Drogen, Sex und Gewalt selbst erlebt hat. Bis zur Hälfte des Buches entsteht ein schöner Spannungsbogen, man fiebert der Auflösung entgegen. An der allerdings scheitert Frey, denn das was er uns anbietet, ist eine esoterische Hippiekommune, in der jeder jeden liebt: Love is the answer...

Das hat mich sehr enttäuscht. Denn wenn ich als Autor ein solch gewagtes Thema, in der heutigen Zeit anpacke, dann muss ich doch auch eine glaubwürdige Pointe parat haben. James Frey, will mir scheinen, glaubt selbst nicht an seinen Helden und sein Ende. Schade.

Der Verlag "Haffmans & Tolkemitt" hat einen Autor verlegt, der als einer die interessantesten Stimmen in den USA gilt. Sicher auch wegen seiner bewegten Vergangenheit. Er war drogensüchtig und hat dies in seinem Debüt verarbeitet. Allerdings wurde ihm später unterstellt, er habe nicht alles selbst erlebt. Ich für meinen Teil bin mit dem Buch zwar nicht ganz glücklich, spreche Frey aber nicht ab, dass er die brutale Realität in den USA treffend beschreiben kann. Mit einer fesselnden und pulsierenden Stimme.

Fazit: Für alle, die "Rohypnol", "Zwölf" oder "Fight Club" mögen.

Und hier noch der Song zum Buch: We are Augustines "Book of James "