Freitag, 4. Januar 2013

Brandon Sanderson "Kinder des Nebels", "Krieger des Feuers" und "Herrscher des Lichts"




Seit einiger Zeit lese ich mich durch die TOP 100 der SF und Fantasy-Literatur. Wobei die Zahl natürlich geschummelt ist. In Wirklichkeit reden wir nicht über 100 Bücher, sondern mindestens über 500. Wie so oft reicht nämlich ein Band nicht aus. Nach dem kommerziellen Erfolg einer Geschichte folgen oft weitere Teile, oft werden es eine Trilogie oder gar ausufernde 10 bis 15 Teile. Das muss nicht schlecht sein. Meine persönliche Hitliste wird immer noch vom "Wüstenplaneten" angeführt (7 Bände) und ich möchte keines dieser Bücher missen. Auch nach wiederholtem Lesen und Nachdenken sind diese Bände einfach nur ein Genuss.

Bei den letzten Büchern der TOP 100 Liste war das allerdings nicht immer der Fall (z.B. Terry Brooks).

Brandon Sanderson gilt als einer der Superstars des Genres, der sich mit seinen "Nebel-Romanen" in die Herzen seiner Leser geschrieben hat. In der Tat. Gerade "Kinder des Nebels" ist sehr sympathisch. Die Heldin Vin ist ein junges Mädchen, das erfreulich facettenreich dargestellt wird. Überhaupt verwendet Sanderson einen guten Teil seines Buches dazu, die Figuren und das Umfeld der Geschichte auszumalen. Das macht Spaß, denn er führt uns in eine zwar vernebelte und tyrannisierte Welt. Die erwacht durch sein erzählerisches Können aber zu Leben und so will man unwillkürlich Teil der Bande werden. Selbst gestellte Aufgabe der Freunde ist es den Obersten Herrscher zu stürzen. Die Motive sind unterschiedlich. Die einen wollen Rache, die anderen den gut bewachten Schatz im Palast, jene wollen den unterdrückten Skaa ein besseres Leben bescheren und einige einfach nur ihren Spaß sprich ordentlich Adrenalin in den Adern haben. Da kommt keine Langeweile auf. Schön ist in die Geschichte verwoben, wie sich das Mädchen Vin zu einer jungen Frau entwickelt und hin und her gerissen ist zwischen ihren eigenen Ansprüchen und den Verlockungen der Welt. Zu ihrer Entwicklung gehört auch, dass sie ihre besonderen magischen Fähigkeiten entdeckt. Sie wird zu einer starken Allomantin. Im Laufe der drei Bände entwickelt Sanderson eine in sich stimmige Welt der Ars Arcanum. Das macht die Bücher auf jeden Fall besonders. Magische Fähigkeiten sind nicht einfach nur in der Welt, sondern es gibt Gründe und Erklärungen dafür. Mit der Konsequenz, die er an den Tag legt, nimmt es es mit Pad Rothfuss auf. Erfreulich ist auch, man wird nicht an Tolkien (Es gibt keine Elfen, Orks und Co.).

Warum gibt es bei mir dennoch ein Unbehagen? Wahrscheinlich weil mir die Auflösung des Ganzen nicht passt. Sanderson versucht sich in einer religionsbezogenen Erklärung seiner Welt. Da wird viel über Gott fabuliert. Sind im ersten Teil Vertrauen und Glauben noch Kategorien, die sich auf konkrete Menschen beziehen, wird es im dritten Teil viel abstrakter. So endet es dann auch mit der schönen Zusammenfassung: es gab die ganze Zeit einen Held, der die Menschheit beschützte: Gott! Hmmm, das läßt mich unbefriedigt zurück. Sehr! Das ist so schade, weil Brandon Sanderson vorher versucht aus den klassischen Klischees des Genres herauszutreten. Eigentlich gibt es das klassische Schwarz-Weiß, Gut-Böse hier nicht. Die Helden morden genauso brutal und der Machtgewinn und -erhalt ist keinesfalls ein Spaziergang, bei dem Händchen gehalten wird. Im zweiten Teil setzt er sich zum Beispiel mit der Frage von Transformationsprozessen auseinander. Etwas, was wir auch in der Realität zur Zeit beobachten dürfen (arabischer Frühling). Gerade haben wir noch die Befreiung von Diktatoren gefeiert und jetzt ist die Gesellschaft im Aufruhr und das Morden endet nicht. Am Ende dann zu Gott als Antwort zu gelangen... Nee!

Deshalb meine Wertung: Erster Teil ****, zweiter Teil *** und dritter Teil ** (wegen Gott :-) )

Ich habe die E-Books gelesen. Die sind eine Frechheit. Da wird die Hauptheldin Vin gern mal zu Din, und das nicht einmal sondern über Seiten. Grüße an den Verlag, da muss nachgearbeitet werden.