Sonntag, 1. April 2012

Birgit Vanderbeke "Das läßt sich ändern"

Das läßt sich ändern" kommt genauso leichtfüßig daher wie "Alberta empfängt ihren Liebhaber". Wie die Erzählerin erliegen wir sofort Adam Czupek und wünschen uns mit ihm "draußen" zu sein. Wir wollen genau solche süßen Kinder mit genau so putzigen Namen... Bei den ganzen Zitaten von Ton Steine Scherben und den Ärzten geht uns das Herz auf und wir wünschen uns, auch in unserem Leben ginge es so romantisch und wild zu. Wir freunden uns mit Bauer Holzapfel an (und erinnern uns noch gut an das ausgediente Auto von Nachbar Franzke, in dem Holzklötze als Sitze dienten und Hühner auf dem Rücksitz ein schönes Nest für ihre Eier gefunden haben.) Leider driftet der Roman am Ende etwas ab. Lange freuen wir uns auf die Erklärung zum Basislager und das entpuppt sich dann als so eine Art Christiania nur in Brodowin oder Kneese. Ja klar, ich bin auch begeistert von Bohnensamen, die am Fusse alter Burgen gefunden werden und am liebsten würde ich auf meinem Balkon auch eine Selbstversorgung organisieren. Aber irgendwie glaube ich, dass damit die Probleme nicht gelöst wären. Insofern läßt mich Birgit Vanderbeke ratlos und auch hilflos zurück. "Alberta" war einfach nur hinreißend und gut so. Hier versucht sie auch noch ein "Muschelessen" einzuflechten aber es fehlt der schonungslose Blick und die ätzende Wahrheit. Allerdings ist das wahrscheinlich auch nicht so einfach, wenn man es sich in Südfrankreich gut gehen läßt... (und hier spricht purer Neid...)