Sonntag, 1. April 2012

Jonathan Franzen "Freiheit"

Hatten mich die "Korrekturen" noch an einigen Stellen unzufrieden zurückgelassen, bin ich vom neuen Roman Jonathan Franzens komplett überzeugt. Das ist so ein Buch, bei dem man am Ende einen Abschiedsschmerz verspürt, weil es zu Ende ist. Und eigentlich kann dann auch erst mal eine Weile nichts kommen, weil der Kopf so gefüllt ist mit Dingen über die es sich lohnt nachzudenken. Franzen beleuchtet aus USamerikanischer Sicht die vielfältigen Daseinsformen von Freihheit. Er ist dabei ganz bei sich selbst. Der Kosmos einer amerikanischen Mittelschichtsfamilie wird beleuchtet. Irgendjemand sagte neulich, Thomas Pynchon würde seine komplexen Geschichten durch immer mehr Personen schaffen, die auftauchen und agieren. Bei Franzen würde sich die Geschichte auf wenige Personen konzentrieren und sich durch das Hinabsteigen in das Labyrinth der Seelen komplex werden. Genau so ist es. Eigentlich sind es 4 Personen (Vater, Mutter, zwei Kinder) um dies sich hier alles dreht. Abgehandelt werden dennoch alle relevanten Fragen der Zeit. Entfesselter Kapitalismus, Terror, Krieg, Rassismus, Grenzen des Wachstums und was das alles mit jedem Einzelnen von uns zu tun hat. Weil Franzen dabei immer bei den Personen bleibt, rühren mich die Geschichten, gehen sie mich etwas an. Großartig, wie er den Personen innerhalb des Romans eine eigene Stimme gibt, also der Stil des Erzählers sich spürbar ändert. Und am Ende will man unbedint auch mal einen Pappelwaldsänger und eine Rohrdommel beobachten:-)