Sonntag, 1. April 2012

Christoper Isherwood "Der Einzelgänger"

Manchmal haben Verfilmungen auch ihr Gutes. Ich wäre sonst nie und nimmer auf Christopher Isherwood gestoßen. "Der Einzelgänger" schaut mich mit dicker Hornbrille vom Cover an. Einer meiner liebsten Schauspieler gibt ihn in dem Fordfilm. Also schnell eingepackt.
Noch ganz eingenommen von McDonells "Zwölf" das ich gerade gelesen habe, muss ich nur 40 Jahre zurück gehen. Isherwood berichtet über die 60er Jahre in den USA. Der Krieg ist vorbei, die Männer sind zurück. Was sollen sie nun tun, um sich zu beweisen? Häuser bauen, Bäume pflanzen, Kinder zeugen, Krieg führen...? George hat das so satt. Seit sein Liebster nicht mehr da ist, funktioniert er irgendwie. Weshalb eigentlich noch? Was kommt noch, kommt noch was? Wie lange muss er sich noch mit Kleingeist, Dummheit, Geltungssucht, Gier, Angst und Hass abgeben? Der Leser im Jahr 2011 weiß, noch lange.
Doch zwischendurch darf George, wie wir auch den Hoffnungsschimmer sehen, sich glücklich und lebendig fühlen (zwei schwitzende Tennisspieler und Naktbaden im Ozean mit einem hoffnungsvollen Studenten). Daraus schöpft er Kraft und kann sich dem Leben neu zuwenden.
Der Anfang des Romans ist einfach nur großartig, im Mittelteil holt er mal Luft, um an Ende zu leuchten.